Zwergdommel und Seeschutzzonen

Letztes Jahr hatte man das seltene Glück, junge Zwergdommeln vom Weg aus im Schilf herumklettern zu sehen. Ab und zu flog ein Altvogel ein, das schmucke Männchen mit seinen rahmgelben Flecken auf den dunklen Flügeln oder das braungestreifte Weibchen.  Dass sich diese Szenerie ein Jahr später an gleicher Stelle wiederholen würde, wagten auch Optimisten nicht hoffen. Doch der Standort ist offensichtlich günstig, weil in der Nähe auch Weiden, Brennesseln und Nachtschatten vorhanden  sind. Die Zwergdommel , Zwergrohrdommel oder der Zwergreiher ist kaum taubengross und damit die kleinste europäische Reiherart. Sie bewegt sich in der Regel langsam und geschickt im Röhricht und verharrt bei Gefahr in der für Rohrdommeln typischen Pfahlstellung. Damit verschmilzt sie optisch mit den vertikalen Linien des Schilfs. Ihren wachsamen gelben Augen entgeht nichts, blitzschnell stösst sie mit dem Schnabel auf kleine Fische hinunter. Amphibien, Würmer, Schnecken, Muscheln, Insekten und deren Larven stehen weiter auf ihrem Speisezettel. Das kegelförmige Nest errichtet sie auf umgebrochenen Schilfstängeln, oft 20-50 cm über Wasser oder sumpfigem Boden. Die schon fast ausgewachsenen Jungvögel sind wie Weibchen gefärbt. Drollig wirken sie mit ihren überlangen Beinen und Flaumresten auf dem Kopf! Ab und zu überqueren sie in langen Schritten das Feld mit den Teichrosenblättern.

Zwergrohrdommel. Foto A. Scheidegger
Ihren wachsamen gelben Augen entgeht nichts

Schutzzonen für Uferbrüter

Der Zwergreiher gehört zu den stark gefährdeten Brutvögeln des Pfäffikersees, und es ist höchst ungewiss, ob er sich hier noch fortpflanzt. Hauptursache für die rasche Bestandesabnahme sind vermutlich Störungen durch Boote und der Rückgang des Schilfröhrichtes“, schrieb Hansruedi Wildermuth noch 1977 in seinem heimatkundlichen Führer „Der Pfäffikersee“. Erfreulicherweise ist der kleine Bestand am Pfäffikersee aber seit über zwanzig Jahren stabil geblieben, er schwankt zwischen einem bis drei Brutpaaren. Die seltene Art müsste nun eigentlich von den kürzlich mit gelben Bojen abgegrenzten Seeschutzzonen profitieren. Die ornithologischen Beobachter und Beobachterinnen am See werden weiterhin ihre wertvollen Daten zusammentragen und hoffen, dass auch andere Uferbrüter mit deutlichem Bestandesrückgang wieder zunehmen, zum Beispiel Tafel- und Reiherente, Lachmöwe, Drosselrohrsänger und vielleicht sogar Schwarzhalstaucher.

Zwergrohrdommel gähnt. Foto A. Scheidegger
Zwergrohrdommel gähnt

Text und Bilder: A. Scheidegger

© Vereinigung Pro Pfäffikersee

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