Seesanierung

Ein See spiegelt nicht nur im optischen Sinn seine Umgebung. Er zeigt auch die Intensität der Nutzung seines Einzugsgebiets, indem die Algenproduktion in direktem Zusammenhang mit dem Austrag an Dünger steht. Das gilt nicht nur für Kunstdünger, sondern auch für Gülle aus Schweinemast, für den Rest der Gülle vom Vieh, für Mist, für häusliches Abwasser, für Pflanzennährstoffe aus Wegrandkompostierungen und auch für Düngestoffe aus Regenwasser von Strassen. Bestünde das Gebiet nur aus einem Bach, so würde sich die Wirkung erst in der Nordsee zeigen. Ein See sammelt den Dünger und speichert ihn für lange Zeit. Ein See ist eine sehr effiziente Wasserreinigungsanlage, indem die Algen die Nährstoffe entfernen und an den Boden sinken. Der grosse Nachteil dabei ist, dass diese Nährstoffe nicht am Boden bleiben, sondern langsam wieder freigesetzt werden. Sie kommen zum Teil im nächsten Herbst und Winter wieder nach oben und steigern die Produktion im nächsten Jahr. Leider beschränken sich die Wirkungen der Algen nicht nur auf den Wasserkörper, sondern haben auch Wirkungen auf den Schilfgürtel, auf die Muscheln und die Fische. Auch das “Schilfsterben” steht mit der “Eutrophierung” (so wird die Überdüngung im Fachjargon genannt) in direktem Zusammenhang. Dass daneben auch Algen überwuchert werden, welche Sauberwasserspezialisten sind, versteht sich von selbst. Ein See kann also rasch “verschmutzt” werden, ist jedoch sehr nachträgerisch. Eine Sanierung dauert Jahrzehnte. Wirklich saniert werden kann nur, wenn dieser interne Düngerspeicher geleert oder sonstwie unschädlich gemacht werden kann

Der Gewässerschutz wirkt am See schon lang.

Es wurden Kläranlagen (resp. Abwasser-Reinigungs-Anlagen ARAs) gebaut. Als dies nicht reichte wurden auch zusätzliche Regenwasserbecken in Betrieb genommen und die Technik der ARAs verbessert. All dies braucht ein Abwassernetz, dessen Bau zig Millionen kostete (und das auch regelmässigen Unterhalt und Erneuerung braucht). Als flankierende Massnahme wurde Intensivlandwirtschaft im Einzugsgebiet kaum bewilligt.

Der Gewässerschutz hat leider auch eine “Hurrah”-Phase hinter sich.

Der uralte Zustand waren Abwassergruben bei jedem Haus. Mehrfamilienhäuser (ausser Flarz) waren sehr selten. Das ganze Abwasser ging in die Gruben, die regelmässig auf den Pflanzplätz geleert wurden (Phosphorrückhalt nahe bei 100%).

Im “alten” Zustand wurden die Überläufe der Gruben in einem Kanalisationsnetz gefasst und liefen direkt in den nächsten Bach oder in den See. Jetzt mussten nur noch die Festrückstände regelmässig aus den Gruben entfernt werden (mehr oder weniger gut verfaulter Mist). (Phosphorrückhalt 50% bis 60%)

Dann kam die Planung der ARAs mit Hurrah.

Alle Strassen waren offen, denn es wurde mehr Abwasser erwartet und daher eine neue, grosse Kanalisation verlegt. Dann wurden die Hausklärgruben kurzgeschlossen und aufgehoben. (Eine ARA behandelt besser frisches Abwasser, als angefaultes Überlaufwasser einer Hüsligrube.) (Phosphorrückhalt 0%!!!). und erst etwa zwei Jahre später nahm die ARA den Betrieb auf. (Phosphorrückhalt am Anfang etwa 80%) Mit diesen sehr einfachen Prozent-Zahlen und den Daten der Betriebsaufnahmen der ARAs und der Wasserführung kann man den Phosphorgehalt im See zwischen 1950 und 1995 recht genau nachvollziehen. Es sind also recht realistische Annahmen. Einzugsgebiete mit Flüssen haben sich davon rasch erholt; der Pfäffikersee und der Greifensee “kauen” heute noch dran.

Inzwischen wurden die Wirkungen der ARAs verbessert und das Kanalisationsnetz neu verlegt, womit die restliche Phosphorfracht zum See nochmals reduziert werden konnte.

Zur Sanierung von Seen wurden schon verschiedene Vorschläge gemacht:

  • Sediment ausbaggern - Effekt: nach wenigen Jahren ist alles wieder beim alten Zustand.
  • Sediment abdecken - dies wurde im Hamilton Harbour gemacht, um sich das Ausbaggern und entfernen giftiger Stoffe zu ersparen;
  • Abdecken findet auch natürlich, aber etwas langsamer statt: Effekt - nach Jahrzehnten muss das Sediment doch noch von giftigen Abfällen alter Gaswerke gereinigt werden, da der Abbau polyzyklischer Aromaten zu langsam ist. (Um 1950 waren noch einige Gaswerke an Seeufern in Betrieb, welche ihr Abwasser inklusive allen Giften im See versenkten.)
  • Sediment oxidieren mit Nitratsalzen: Versuch am Lützelsee - der nachhaltigste Effekt waren die Blasen an den Händen (von den Schaufeln).
  • Wiederbelebung von Wasser mit Esoterik - das Problem dabei ist, dass in diesem Wasser viel zu grosse biologische Aktivität herrscht. - diese Methode zielt in die falsche Richtung.

© Vereinigung Pro Pfäffikersee

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